Montag, 31. Dezember 2007

Unsere Geduld ist am Ende - Vorzeigemoslems am Rand des Nervenzusammenbruchs

Der Anlass ist- aus deutscher Sicht- banal. Ein Tatort, eine erfundene Geschichte. Sex and crime. Ein Vater der seine Tochter missbraucht. Die Tochter, die sich zu schützen versucht, indem sie dem liberalen alevitischen Islam (gleichberechtigte Frauen, kein Kopftuch) den strengeren sunnitischen Islam (unterdrückte Frauen, Kopftuch) vorzieht.

Die Handlung des Krimis ist nicht wichtig, gesehen hat ihn wohl kaum jemand der Protestierenden. Das Reizwort heißt Inzest - Inzest in einer alevitischen Familie. Die alevitische Glaubensgemeinschaft reicht eine Klage wegen Volksverhetzung ein, in Berlin und Köln demonstrieren Tausende gegen die ARD, mit dem Grundgesetz in der Hand, aber auch mit Plakaten, auf den "Unsere Geduld ist am Ende" oder "Es reicht" steht. Verlangt wird offizielle Entschuldigung der für die Ausstrahlung des Tatorts Verantwortlichen.

Die Wut der Aleviten ist nachvollziehbar, wenn man die Bedeutung des Inzestvorwurfs in der Geschichte dieser Glaubensrichtung kennt und darüber hinaus die gespannten Beziehungen zwischen Sunniten und Aleviten in der Türkei berücksichtigt. Seit Jahrhunderten haben die Gleichberechtigung in der Ausübung des Glaubens und die gemeinsame Teilnahme von Männern, Frauen und Kindern an religiösen Ritualen den Aleviten den Vorwurf des "Inzests" eingetragen, oft verbunden mit blutiger Verfolgung. Das Stigma des Inzests klebt an den Aleviten wie das der Brunnenvergiftung an den Juden. Ein Tatort mit einem brunnenvergiftenden Juden der nebenbei christliche Kinder abschlachtet am Sonntagabend um 20:15 im Ersten? Undenkbar. Zu Recht.

Der Vergleich, der auf den ersten Blick überzeugend erscheinen mag, ist weit hergeholt.

1. Was ist Inzest? Sexuelle Handlungen zwischen (nahen) Verwandten. Ja, aber es gibt auch andere Auslegungen, wie bei Spon deutlich wird: "Nach Ansicht einiger Vertreter der Gemeinschaft bestätige der Inhalt des "Tatorts" eine alte Unterstellung seitens der sunnitischen Muslime, die Aleviten betrieben in ihren Gemeinden Inzest, indem sie religiöse Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern exerzierten. Die Vorwürfe stammten aus der osmanischen Zeit und hätten die Unterdrückung des Alevitentums zum Ziel gehabt."
Der Vorwurf des Inzests gegen die Aleviten bezieht sich also nicht auf sexuelle Verhältnisse zwischen Verwandten oder die sexuelle Misshandlung von Kindern, sondern auf das gemeinsam vollzogene religiöse Ritual.

2. Wie unbekannt der angeblich so weitverbreitete Inzestvorwurf gegenüber den Aleviten ist, zeigt die Reaktion der Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone: "Ich bin nicht auf dieses Vorurteil gestoßen und habe das dann für mich benutzt". Intensive Recherchen im alevitischen Milieu, die Zusammenarbeit mit türkischen Schauspielern - irgendwann hätte ihr doch mal jemand einen Tipp geben müssen, wie empfindlich gerade Aleviten auf den Inzestvorwurf reagieren.

3. Der Film richtet sich an ein deutsches Publikum, das von den in der Türkei grassierenden Vorurteilen keine Ahnung hat. Dargestellt wird ein fiktiver (!) Einzelfall. Ein Vater schwängert seine Tochter, die Tochter versucht zu entkommen und ist am Ende tot - nichts davon wird als normal oder repräsentativ für die alevitische Gemeinde dargestellt. Ein Verbrechen, ein Familiendrama - nichts, was den deutschen Tatortzuschauer zum Hass gegen die Aleviten aufstachelt. Der Vorwurf der "Volksverhetzung" ist lächerlich.

4. Seltsam nicht zuletzt die gemeinsamen Proteste von Sunniten und Aleviten. Wenn man fragt, wer den Aleviten das Stigma des Inzests aufgedrückt hat, dann heisst die Antwort nicht "die Deutschen" oder "die ARD" oder "der Tatort am 23.12.2007", sondern "sunnitische Türken". Mit denen sie jetzt gemeinsam protestieren. Über die Forderung nach einer offiziellen Entschuldigung der sunnitischen Türken für die reale Stigmatisierung und Verfolgung ist auch nichts bekannt...

Trotzdem wird den protestierenden Aleviten viel Verständnis entgegengebracht. Exemplarisch Lenz Jacobson in der Zeit:

Hier geht es nicht um leicht erregbare, orthodoxe Muslime. Die Gruppe, die hier demonstriert, vertritt die vielleicht liberalste Strömung des Islams. Aleviten sind die Lieblinge der Integrationspolitiker, sie sind aus europäischer Sicht sozusagen die Mustermuslime. Auf den Schildern der Kundgebung ist nichts zu lesen vom teuflischen Westen, kein drohendes oder feindseliges Wort ist zu hören. Stattdessen zitieren sie das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und fast jeder der etlichen Redner auf der gut organisierten Kundgebung beginnt seinen Beitrag mit geradezu euphorischen Bekenntnissen zu Meinungs- Kunst- und Pressefreiheit. Hier kämpft nicht eine aggressive Religionsgruppierung gegen die Mehrheitsgesellschaft, hier kämpft eine weitgehend integrierte Bevölkerungsgruppe gegen Vorurteile.
Man kann darüber streiten, ob Aleviten wirklich "Mustermuslime" sind - wie eine Moslem seine Religion lebt ist schließlich seine Sache. Dass positiv hervorgehoben wird, es seien keine "drohenden oder feindseligen Worte" gegen "den Westen" zu hören oder auf Plakaten zu lesen, ist bedenklich. Als wäre eine Grossdemonstration vor dem Kölner Dom -wohlgemerkt am Sonntagvormittag, während im Dom die Messe noch nicht beendet ist- nicht überzogen genug. Sollen wir wirklich dankbar sein, dass ein Tatort keine Hass- und Gewaltausbrüche nach sich zieht?

Die "weitgehend integrierte Bevölkerungsgruppe" kämpft nicht gegen Vorurteile (von deren Existenz die große Mehrheit der Deutschen vor einer Woche noch keine Ahnung hatte), sie schürt sie.

Freitag, 28. Dezember 2007

Raubgut

Der schon ein paar Jahre zurückliegende Auszug der Juden aus Ägypten, könnte Anlaß für eine besonders bizarre Klage geben: die Rückforderung angeblich geraubter ägyptischer Güter, wie "Schmuck, Küchengeräte, Silberornamente und Kleidung" dazu mindestens (!) 320 Tonnen Gold. Jährlich verzinst mit 5 %. Da kommt nach 5758 Jahren ordentlich was zusammen, gezahlt werden soll in Raten - auf tausend Jahre verteilt.

Diesen Unsinn hat sich nicht etwa ein betrunkener amerikanischer Anwalt ausgedacht, sondern Dr. Nabil Hilmi, Dekan der Jura-Fakultät der Universität von Al-Zaqazig.

Hilmi sagt: „Selbstverständlich zweifeln die Juden diese Geschichte an, weil das in ihrem Interesse ist.“ Gleichwohl gebe es sogar in der Bibel (Exodus 35, 12-36) Hinweise auf diesen historischen Diebstahl. Quelle

Exodus 35, 12-36 enthält keinen Hinweis auf einen "historischen Diebstahl", die Opfergaben sollen ausdrücklich aus dem eigenen Besitz genommen werden:

35.4 Weiter sagte Mose zur ganzen Gemeinde der Soehne Israel:
Dies ist es, was der HERR geboten hat: 35.5 Nehmt aus eurem
Besitz ein Hebopfer fuer den HERRN! Jeder, dessen Herz willig
ist, soll es herbeibringen, das Hebopfer fuer den HERRN: Gold,
Silber und Bronze, 35.6 violetten und roten Purpur,
Karmesinstoff, Byssus und Ziegenhaar, 35.7 rotgefaerbte
Widderfelle, Haeute von Delphinen und Akazienholz; 35.8 Oel fuer
den Leuchter, Balsamoele fuer das Salboel und fuer das wohlriechende
Raeucherwerk; 35.9 und Onyxsteine und [andere] Edelsteine zum
Besatz fuer das Ephod und die Brusttasche. 35.10 Und alle, die
ein weises Herz haben unter euch, sollen kommen und alles
machen, was der HERR geboten hat: 35.11 die Wohnung, ihr
Zeltdach und ihre Decke, ihre Haken, Bretter, Riegel, Saeulen und
Fussgestelle; 35.12 die Lade und ihre Spangen, die Deckplatte
und den verhuellenden Vorhang; 35.13 den Tisch mit seinen
Stangen und all seinen Geraeten und die Schaubrote; 35.14
ferner den Leuchter zur Beleuchtung mit seinen Geraeten und
Lampen, dazu das Oel fuer die Beleuchtung; 35.15 auch den
Raeucheraltar mit seinen Stangen, das Salboel und das
wohlriechende Raeucherwerk; und den Eingangs-Vorhang fuer den
Eingang der Wohnung; 35.16 den Brandopferaltar und das
bronzene Gitter an ihm, seine Stangen und all seine Geraete; das
Becken und sein Gestell; 35.17 die Behaenge des Vorhofs, seine
Saeulen und Fussgestelle und den Vorhang fuer das Tor des Vorhofs;
35.18 die Pfloecke der Wohnung und die Pfloecke des Vorhofs mit
ihren Seilen; 35.19 die gewirkten Kleider fuer den Dienst im
Heiligtum, die heiligen Kleider fuer den Priester Aaron und die
Kleider seiner Soehne zur Ausuebung des Priesterdienstes.

35.20 Darauf ging die ganze Gemeinde der Soehne Israel von Mose
fort. 35.21 Dann kamen sie, jeder, den sein Herz willig
machte. Und jeder, dessen Geist ihn antrieb, brachte das
Hebopfer des HERRN zur Arbeit am Zelt der Begegnung und fuer den
ganzen Dienst darin und fuer die heiligen Kleider. 35.22 So
kamen die Maenner mit den Frauen: jeder, dessen Herz willig war,
brachte Spangen, Ohrringe, Siegelringe und Halsketten, allerlei
goldene [Schmuck]sachen; ja, jeder, der dem HERRN ein
Schwingopfer an Gold darbrachte. 35.23 Und jeder, bei dem sich
violetter und roter Purpur vorfand, auch etwa Karmesinstoff oder
Byssus, Ziegenhaar, rotgefaerbte Widderfelle oder Haeute von
Delphinen, brachte es herbei. 35.24 Jeder, der ein Hebopfer an
Silber oder Bronze entrichten wollte, brachte das Hebopfer des
HERRN herbei; und jeder, bei dem sich Akazienholz fuer irgendeine
Arbeit am Bau [des Heiligtums] vorfand, brachte es. 35.25
Ferner spann jede Frau, die ein weises Herz hatte, mit ihren
Haenden und brachte das Gesponnene: den violetten und roten
Purpur, den Karmesinstoff und den Byssus. 35.26 Alle Frauen,
die ihr Herz mit Weisheit dazu trieb, spannen das Ziegenhaar.
35.27 Die Fuersten aber brachten Onyxsteine und [andere]
Edelsteine zum Einsetzen fuer das Ephod und fuer die Brusttasche,
35.28 ferner das Balsamoel und das Oel fuer den Leuchter, fuer das
Salboel und fuer das wohlriechende Raeucherwerk. 35.29 Die Soehne
Israel, alle Maenner und Frauen, deren Herz sie antrieb, zu dem
ganzen Werk beizutragen, das zu tun der HERR durch Mose geboten
hatte, brachten dem HERRN eine freiwillige Gabe.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Geld und Terror

Ob den großzügigen Gebern von Paris der Zusammenhang zwischen Geldgeschenken an die "Palästinenser" und der Häufigkeit von Selbstmordanschlägen bekannt ist, kann nur vermutet werden. Dabei erschien schon im September ein sehr interessanter Beitrag bei CAMERA, der diesen Zusammenhang überzeugend darstellt.


In der Vergangenheit hat es immer ungefähr ein Jahr gedauert, bis die "Hilfe" bei den Terroristen angekommen ist. Es stehen - bei 7,4 Milliarden Dollar "Hilfe"- wohl blutige Zeiten bevor.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Was ist Sozialismus?

Karl Marx malte ihn als Schreckgespenst an die Wand, die K-Gruppen haben ihn beim Rotwein genossen. Die russische Bevölkerung aber, halb Asien und die Völker Osteuropas mussten ihn aushalten, darunter wir Ostler. Deshalb haben wir genug davon. Denn Sozialismus ist ja nicht der positive Gegenentwurf zum Kapitalismus, er ist seine Steigerung: „Sozialismus“, so haben wir leidvoll erfahren müssen, „ist kapitalistische Ausbeutung plus geistige Unterdrückung!“ Weiter

Dienstag, 11. Dezember 2007

Das Kreuz mit dem Kreuz - Muslima auf Jobsuche

Über einen skandalösen Fall religiöser Diskriminierung berichtet Spon heute:

Die Deutsch-Türkin (umgekehrt funktioniert das Wort nicht, die Türkisch-Deutsche ist im Sprachgebrauch noch nicht so recht angekommen) Yesim Fadia, "nichtpraktizierende" Muslima, bewarb sich vor einem Jahr beim Diakonischen Werk als Integrationslotsin. Ihre Aufgabe sollte es sein, Migranten bei der Arbeitssuche zu helfen.

Migranten bei der Arbeitssuche zu unterstützen ist sicher sinnvoll, obwohl sich die Frage stellt, warum das die Diakonie im Rahmen eines von der EU finanzierten Projekts übernehmen muss (und nicht das Arbeitsamt oder eine private Jobvermittlung). Um Migranten bei der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz kompetent beraten zu können, braucht man nicht zwingend einen Migrationshintergrund, aber Grundkenntnisse der Spielregeln, die bei Bewerbung und Einstellungsgesprächen nun mal zu beachten sind.

Eine der wichtigsten Regeln für Bewerber, nämlich "Informieren Sie sich gründlich über ihren potentiellen Arbeitgeber!" scheint Yesim Fadia schlicht nicht gelernt zu haben, denn schon bei einer oberflächlichen Beschäftigung mit dem Diakonischen Werk hätte ihr auffallen müsse, das dort ausschließlich Mitglieder der christlichen Kirchen beschäftigt werden.

Dass der Glaube ein Kriterium war, erfuhr Fadia jedoch erst einige Monate später. Eine Mitarbeiterin der Diakonie teilte ihr mit, dass die Organisation aufgrund ihres religiösen Profils nur Christen einstellen würde. Ob sie denn bereit wäre, in die Kirche einzutreten? Die nicht praktizierende Muslimin antwortete, dass sie aus praktischen Gründen gewillt sei, "einen Vertrag zu unterschreiben und Kirchensteuer zu bezahlen." Dann fragte Fadia zurück: "Aber ist es denn in ihrem Sinne, dass ich aus diesem Grund Christin werde?"Mit dieser Replik schoss sich Fadia aus dem Rennen um den Job, ihre Bewerbungsunterlagen erhielt sie kurz darauf mit einer Standardabsage zurück.

Nicht nur zu doof, sich über den Arbeitgeber zu informieren (und die Diakonie ist kein kleiner Verein, über den sich keine Informationen finden lassen), auch noch patzig. Damit disqualifiziert sie sich in dreifacher Hinsicht:

1. Sie ist "aus praktischen Gründen bereit einen Vertrag zu unterschreiben und Kirchensteuer zu bezahlen" - aber so läuft das nicht. Christ wird man durch die Taufe, der im Erwachsenenalter normalerweise ausführlicher Religionsunterricht vorrausgeht. Nix mit dreimal Glaubensbekenntnis sprechen und schon ist man im Verein. Für die Religion ihrer neuen Heimat scheint sich Fadia nicht weiter zu interessieren, das bringt im Bewerbungsgespräch (beim Diakonischen Werk!) sicher keine Pluspunkte.

2. Dass erhebliche Zweifel an Fadias Bereitschaft Christin zu werden angebracht sind, zeigt die provozierende Rückfrage : Aber ist es denn in ihrem Sinne, dass ich aus diesem Grund Christin werde? Aus diesem Grund??? Meint sie damit die Kirchensteuer? Oder um den Job zu bekommen?
Auf die Frage, sind Sie bereit, in die Kirche einzutreten, gibt es genau zwei Antworten: Ja oder Nein. Kein vielleicht, kein Ja - aber wollen Sie das wirklich. Der Arbeitgeber will das, der Grund ist das "religiöse Profil" der Diakonie. Das muss man nicht toll finden, dann muss man sich da nicht bewerben. Oder es eben in Kauf nehmen. Von den 420.000 Angestellten des Diakonischen Werks würden sich sicher eine ganze Menge von heut' auf morgen aus der Kirchensteuerpflicht verabschieden, wenn sie denn könnten ohne ihren Job aufs Spiel zu setzen.

3. Wer sich selbst derart ungeschickt bei der eigenen Bewerbung anstellt, ist nicht zwingend geeignet, andere bei der Jobsuche zu unterstützen. Auch aus diesem Grund wäre eine Ablehnung der Bewerberin zu rechtfertigen.


Nach der Ablehnung kommt die Empörung:
"Das ist eine total verlogene Schiene", empört sie sich über das Prozedere, "sie sprechen von christlicher Nächstenliebe und Integration, dabei diskriminieren sie offen gegen Außenstehende." und "Die Diakonie diskriminiert Andersdenkende."
Ein armes Diskriminierungsopfer will die deutsch-türkische nichtpraktizierende Muslima natürlich nicht sein, sie klagt. Und bekommt Recht.
Das Verhalten der Diakonie habe etwas Missionarisches, sagt sie: "Wir helfen den armen Ausländern, aber mitmachen dürfen sie nicht." Mit diesem Argument zog Fadia vor Gericht und gewann in erster Instanz.
Grenzt die Diakonie "arme Ausländer" aus? Wäre das Kirchenmitglied Yesim Fadia -immer noch deutsch-türkisch, nichtpraktizierend evangelisch auch abgelehnt worden?

Hat sich Yesim Fadia vielleicht nur beworben, um abgelehnt zu werden und klagen zu können? Das provozierende Verhalten nicht aus Dummheit, sondern aus Berechnung? Klingt weit hergeholt, wäre aber auch nicht überraschend, wenn es hier -wie bei Fereshta Ludin- eher um ein Grundsatzurteil, als um einen neuen Job gehen würde. Fadia arbeitet seit Jahren im "interkulturellen Bereich", nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie über ausreichend Kontakte zu Milli Görüs und sonstigen Parallelgesellschaftsförderern verfügt.

Nachdem sich der Staat unter Berufung auf die Neutraliätspflicht seiner Beamten für Muslimas eher zugeknöpft gibt, versuchen sie es halt bei den großen kirchlichen Organisationen. Das Diakonische Werk und die Caritas für Muslime zu öffnen, die im Gegensatz zu ihren christlichen Kollegen von der Kirchensteuerpflicht befreit wären (Christen und Juden zahlen bekanntermaßen Dihmmisteuern an Muslime, nicht umgekehrt), verspricht dicke Pfründe. Und ein paar Jahre später wird dort das Kopftuch am Arbeitsplatz eingeklagt ("Nonnen und Diakonissen verschleiern sich ja schließlich auch") und die Abschaffung christlicher Symbole gefordert ("Beleidigend für alle Muslime"). Das Antidiskriminierungsgesetz bietet noch viele Möglichkeiten...

Die Diakonie erwägt übrigens, gegen das Urteil Berufung einzulegen.


Kinderprogramm

Als "Hass-Industrie" bezeichnet das Intelligence and Terrorism Information Center at the Israel Interlligence Heritace & Commemoration Center (IICC) das Kinderprogramm des Hamas-Senders "Al-Aqsa TV". Zu Recht. Nach der bekannten Hass-Maus, der tierquälenden Biene und dem Jungdschihadi Ahmad gibt es jetzt Karikaturen für die lieben Kleinen.

Am pädagogischen Auftrag hat sich nichts geändert, das Freund-Feind-Schema bleibt - auch, und wohl gerade- zwei Tage nach der Konferenz von Annapolis unverändert. Der israelische Soldat, der wahllos auf Frauen und Kinder schießt, ein Berg von Kinderleichen unter der israelischen Seite des Verhandlungstischs, palästinensische Kinder in ärmlichster Kleidung, weil der Vater von den Juden gefangen gehalten wird und sich deshalb nicht um seine Familie kümmern kann - der "Humor" der Zeichnerin Amiah Jaha ist genauso einfallslos wie abstoßend.

Es gehört zum Wesen der Karikatur, politische Misstände übertrieben darzustellen, "Feinde" anzuprangern und der Lächerlichkeit preiszugeben oder einfach nur geschmacklos zu sein - und für einen erwachsenen Betrachter der Werke Jahas ist es auch nicht mehr als das: geschmacklose, antisemitische Durchschnittsware, wie man sie regelmäßig in arabischen Zeitungen finden kann. Für kleine Kinder sind Karikaturen dagegen generell ungeeignet, weil sie noch nicht in der Lage sind, derartige Bilder zu interpretieren. Um so schlimmer, wenn, wie in den von Al-Aqsa TV gezeigten "Karikaturen", Kinder als Opfer eines übermächtigen, bösartigen Feindes den thematischen Mittelpunkt bilden.

Kinder, die erschossen werden; Kinderleichen unter einem Tisch liegend; Kinder die um ihre verlorenen/abwesenden Väter trauern - das verletzte, getötete, trauernde Kind als Sujet einer Karikaturenreihe im Kinderfernsehen. Arme Kinder.

Montag, 3. Dezember 2007

Pizza, Soda & Ice Cream

...für die Soldaten der Israel Defence Force, lassen sich hier ordern. Ob man eine kleine Portion Donuts für 12,99$, Pizza mit Soda für eine ganze Kompanie (289,95 $) oder einfach einen Kessel heiße Wintersuppe (2,99$/pro Portion) spendet, ist nicht so wichtig, es zählt ganz eindeutig der gute Wille.

Wer für Pizza und Donuts nicht viel übrig hat, kann über burgeridf.org auch Burger & Soda und Kekse verschenken.

Donnerstag, 29. November 2007

Teilungsplan

Am 29. November 1947 -also heute vor sechzig Jahren- wurde der UN-Teilungsplan für Palästina von der UN-Generalversammlung mit der Resolution 181 angenommen.

Hamas-Charta gegen Annapolis

Aus Hamastan nix Neues. Der Gipfel in Annapolis ist kanpp vorbei, die Ergebnisse dürftig und mit Kritik wird auf keiner Seite gespart. Aber: man hat mal wieder geredet und zumindest guten Willen signalisiert (dabei war die Kompromissbereitschaft auf der demokratischen Seite wie immer deutlich höher).

Für die "Hamas-Regierung", die nicht in der Lage ist, die primitivsten Bedürfnisse ihrer Wähler zu erfüllen (das Ausleben von Hass und Gewalt mal ausgenommen), ist das Wenige schon viel zu viel. Zeit, die Positionen klar zu stellen, Zeit für eine "Charta gegen palästinensische Zugeständnisse beim Annapolis-Gipfel":

Zu den Unterzeichnern des Dokuments gehören der abgesetzte Premier Ismail Hanije, Bahar und die restlichen Mitglieder der Hamas-Fraktion. Die Charta steht unter der Überschrift: "Das Festhalten an unveräußerlichen palästinensischen Grundsätzen und die Weigerung, bei der Annapolis-Konferenz palästinensische Rechte aufzugeben". Das berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur "Ma´an". Die Friedenskonferenz im US-Bundesstaat Maryland soll am Dienstag stattfinden.

"Nur die Palästinenser haben das Recht, so über ihre Selbstbestimmung zu entscheiden, wie sie es für angemessen halten", heißt es in dem Dokument. "Sie sind die Besitzer der Gebiete vom Jordan bis zum Mittelmeer. Dieses Eigentumsrecht verjährt weder im Laufe der Zeit noch unter Druck."

Die palästinensische Frage habe arabische und islamische Wurzeln, weil die palästinensischen Gebiete angestammtes Land für alle Muslime überall seien. "Obwohl die Welt zu dem kriminellen Akt schweigt, dass die Palästinenser aus ihrem Heimatland verschleppt werden und ihnen ihr Recht verweigert wird, die von ihnen gewählte politische Instanz zu gründen, bestehen wir auf das Recht auf Wiedereinbürgerung", so die Charta weiter. "Somit sehen wir jede Lösung, die nicht das Recht auf Wiedereinbürgerung, die Freiheit der Häftlinge und die Wiederherstellung des palästinensischen Landes garantiert, als eine schwache Lösung an, die wir völlig ablehnen. Wir werden niemals gegenüber denen kapitulieren, die unserem Volk solche Lösungen auferlegen wollen."

In dem Dokument heißt es zudem: "Die Reproduktion dieser Irrgärten unter Überschriften wie 'Roadmap' oder 'Annapolis-Gipfel' wird nicht zu Stabilität führen, weil solche Abkommen nur die israelische Sicherheit auf Kosten unserer Nation und der Rechte unseres Volkes stabilisieren können. Tyrannei kann nur nach dem Gesetz des Dschungels als Legitimität bezeichnet werden. Deshalb warnen wir vor den Gefahren, die diese Konferenz unserem Volk und der arabischen und islamischen Welt bringt." Quelle

Eigentlich schön, dass die Hamas so klar und offen ihre Standpunkte darlegt. Seltsam, dass es trotzdem einige nicht verstehen und allen Ernstes fordern, Israel solle mit der "Hamas-Regierung" verhandeln.

Dienstag, 27. November 2007

Montag, 26. November 2007

Spielen für den Frieden

Während sich ihre Präsidenten in den Vereinigten Staaten zum Verhandeln treffen, haben Tausende von Palästinensern und Israelis die Möglichkeit, das Schicksal des Nahen Ostens zu bestimmen - virtuell.

Wie das Peres Center for Peace am Sonntag mitteilte, wurden 100.000 Kopien eines Computerspiels namens „PeaceMaker“ an Israelis und Palästinenser verteilt.

Die Spiel-CD wird am Dienstag, demselben Tag, an dem das Treffen zwischen Olmert und Abbas in Annapolis geplant ist, ausgegeben. Dieses Treffen, vermittelt von US Präsident George W. Bush an dem die arabischen Länder und Dutzende andere Nationen teilnehmen, soll einen Neubeginn der vor sieben Jahren gewaltsam abgebrochenen Friedensverhandlungen ermöglichen.

Der Spieler von “PeaceMaker“ übernimmt die Rolle eines palästinensischen oder israelischen Befehlshabers. Er muss mit palästinensischen Selbstmordattentätern, israelischen Angriffen im Westjordanland und Gaza, angriffslustigen israelischen Gruppen, militanten Palästinensern und der sich verschlechternden Situation in den palästinensischen Flüchtlingslagern zurechtkommen.

Als israelischer Kommandant kann der Spieler nach jedem Selbstmordanschlag palästinensische Ziele bombardieren, und als palästinensischer Führer hat er die Möglichkeit den israelischen Druck ignorieren, Militante zu festzunehmen, bevor sie jüdische Städte angreifen. Aber, diese Sorte Befehlshaber erreicht nichts - wenigstens nichts in dem Spiel.

„Pragmatismus ist der Weg, das Einnehmen der Rolle des Anderen. Sie sollen sich in die Lage der anderen Seite versetzen,“ sagt Ron Pundak, der Director des Peres Zentrum für Frieden, welches das Spiel in Israel und den Palästinensergebieten verteilt.

Das Zentrum wurde 1996 von dem Nobelpreisträger -und heutigem Präsidenten Israels- Shimon Peres gegründet. Es fördert Friedensprojekte im Nahen Osten.

Eine Kopie des Friedensspiels wird auch an Olmert und Abbas nach ihrer Rückkehr aus Annapolis geschickt, sagt Punkak. Er hofft, Palästinenser und Israelis -samt ihrer Führer-, würden versuchen ihre Rollen zu tauschen, wenigstens in diesem Spiel.

“ Es würde [jeder Seite] helfen die Grenzen des eigenen Präsidenten und Führers zu verstehen und auch die Grenzen der anderen Seite“ sagt Pundak.

Das Spiel wird vertrieben über führende arabische und hebräische Zeitungen, dabei werden in der ersten Ausgaberunde mehr Israelis als Palästinenser das Spiel erhalten.

Entworfen wurde „PeaceMaker“ von ImpactGames, einer Pittsburgher Firma die von zwei Abgängern der Carnegie Mellon Universität gegründet wurde: von Asi Burak, einem ehemaligen Geheimdienstoffizier der israelischen Armee und Eric Brown, einem amerikanischen Softwareentwickler. Quelle

Hoffentlich haben Abbas und Olmert viel Spaß beim Spielen. Immer dem pädagogisch vorgegebenem Weg folgen (Gewalt ist böse, Verständnis ist gut) - und schon herrscht Frieden im Nahen Osten. Dann können der Ehud und der Mahmud zusammen die Sesamstraße gucken(Milch + Kekse nicht vergessen) und haben bestimmt noch mehr gute Ideen für die gemeinsame Zukunft.

Sonntag, 25. November 2007

Aufklären statt verschleiern

Der Zentralrat der Ex-Muslime fordert ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Schülerinnen an öffentlichen Schulen. Dieser Schritt sei "notwendig, um Mädchen aus streng muslimischen Familien in ihrem Emanzipationsstreben zu unterstützen".

Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, Mina Ahadi, 51, will in dieser Woche in Köln eine Kampagne zum Kopftuchverbot starten. Unter dem Motto "Aufklären statt verschleiern" werden an der Veranstaltung die Schriftsteller Ralph Giordano und Günter Wallraff teilnehmen.

Zwar sei es für eine offene Gesellschaft keineswegs unproblematisch, so Ex-Muslimin Ahadi, "wenn der Staat in die Kleiderordnung seiner Bürger eingreife, dies darf jedoch nicht dazu führen, dass man jene gewähren lässt, die die offene Gesellschaft am liebsten ganz abschaffen würden".

Die Bundesregierung müsse gegen diese Form "mentaler Kindessmisshandlung" einschreiten, denn es handele sich "nicht bloß um ein Stück Stoff, sondern um ein hochwirksames Zwangsinstrument zur Zurichtung von Mädchen und Frauen auf die Herrschaftskultur des Islam".

Auf der Grundlage der Verfassung könnten nur aufgeklärte Versionen des Islam toleriert werden, die etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptierten. Quelle

Vor zehn Jahren wurde das "Kopftuch" noch als modisches Accessoires verharmlost, ich kann mich noch gut an die türkischen Girlies erinnern, die mit Jeans, bauchfreiem Top und jede Menge Make-up rumliefen - und das Kopftuch als "Ausdruck ihrer Persönlichkeit" sahen. Untersützt von linken (?) Lehrern hat sich leider nicht nur das Kopftuch durchgesetzt. Inzwischen geht es um die Burka light. Die Mädchen tragen nicht mehr "nur" das Tuch, sondern sehen in ihren bodenlangen Mänteln aus, wie ihre eigenen Großmütter. Freiwillig?

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Donnerstag, 13. September 2007

Südländer

Islamophobie ist schlecht, so schlecht wie Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus und Homophobie. Islamophobe erkennt man, glaubt man dem Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer, an folgenden Aussagen:

- "Viele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben."
- "Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden."
- "Ich hätte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben."

Umgekehrt gilt auch als islamophob, wer folgende Statements ablehnt:

- "Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht."
- "Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt."
- "Ich würde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet."
- "Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen."

Mit einer solchen "Definition" kann man problemlos große Teile der Bevölkerung zu "Islamophoben" erklären und in die rechte Ecke zu den bösen Rassisten, Neonazis und Antisemiten stellen. Die muslimische Minderheit, kann sich zu Recht als unterdrücktes Opfer der islamophoben deutschen Mehrheit fühlen. Nichtmuslime, schämt euch!

Der Vorwurf der "Islamophobie" ist längst Totschlagargument, mit dem jede Kritik an der "muslimischen Minderheit" sanktioniert bzw. verhindert wird. "Islam ist Frieden", die "Mehrheit der Muslime ist friedlich" - Probleme mit Muslimen gibt selten und wenn sie überhaupt auftreten, Ausdruck der Intoleranz und Integrationsunwilligkeit der Mehrheitsgesellschaft, keinesfalls ist die Ursache in Kultur und Religion der Migranten zu suchen.

Die unsinnige Überzeugung, das Opfer nicht Täter sein können (der Blick auf einen Schulhof oder in einen Gerichtssaal beweist das Gegenteil); ein unter dem islamophoben Rassismus leidender Muslim selbst also kein Rassist sein kann, führt zu einer Sprachregelung, die in den letzten Tagen mehrfach unangenehm aufgefallen ist. Man spricht in der Presse im Zusammenhang mit Verbrechen nicht mehr von Arabern oder Türken, sondern von "Südländern" oder (seltener) von "arabisch" bzw. "türkisch aussehenden" Menschen. Häufig wird die Nationalität auch ganz weggelassen, wenn es sich nicht um "Fritz" und "Daniel" handelt, werden einfach "jugendliche Täter" festgenommen.


Die Beschreibung des Täters, der im Frankfurter Westend einen Rabbinder niedergestochen hat, zeigt die -insgesamt dann doch begrenzte- Bandbreite der Umschreibungen: ein " südländisch arabisch aussehender 20- bis 25-jährigen dunkelhaariger 1,70 bis 1,75 Meter großer Mann" (HR), "der südländisch aussehende Täter " spricht "in arabisch klingenden Worten" (tagesschau) oder schlicht "Südländer" (SPON).

Nun gibt es ein "Südland" ebenso wenig wie ein "Nordland". Unter dem Begriff "Südländer" kann letztendlich alles subsummiert werden, was nicht blond und blauäugig daherkommt, und nicht eindeutig afrikanischer oder ostasiatischer Herkunft ist. Franzosen, Spanier, Italiener, Portugiesen, Griechen, Bulgaren, Serben, Kroaten, ganuso wie Brasilianer, Türken und Marokkaner. Um einen Verdächtigen zu finden, ist die Beschreibung "südländisches Aussehen" nicht nur extrem unpräzise, sondern irreführend, wenn man weitere Anhaltspunkte, wie "arabisch klingende Worte" hat. Ein Südländer, der italienisch spricht, ist wahrscheinlich ein Italiener, wie ein griechisch sprechender Südländer möglicherweise ein Grieche ist.

Es ist kein Ausdruck von "Islamophobie" oder Rassismus, hinter einem arabisch sprechenden Südländer einen Araber zu vermuten. Der, da er auch auf deutsch gepöbelt hat, möglicherweise einen "Migrationshintergrund" hat. Der vielleicht ein bisschen zuviel Al-Manar sieht. Oder die falschen Computerspiele spielt?

Wie auch immer, der solange der Kerl nicht gefasst ist, stehen weiter alle Frankfurter "Südländer" unter Verdacht.

Samstag, 8. September 2007

Konversion

Man muss nicht unbedingt einen an der Waffel haben, um zum Islam überzutreten - meint Stefan Weidner in der SZ. Weidner -Islamwissenschaftler, Übersetzer und Schriftsteller- spricht aus eigener Erfahrung, wäre er doch als junger Mann auch fast selbst Muslim geworden. Das zeigt zwar nur, dass sich Weidner rückblickend für seelisch gesund hält, beweist in Bezug auf heutige Konvertiten jedoch nichts.

An Weidners seelischem Zustand kommen nebenbei auch gleich im ersten Abschnitt erhebliche Zweifel auf, so hält er es tatsächlich für möglich, dass "am Ende in jedem von uns ein Trieb steckt, der sich nur durch die Konversion zum Islam befriedigen lässt". Was für ein Trieb das denn sein könnte bleibt offen, dafür folgt jede Menge Propaganda für Allah.

Alles wenig überzeugend. Der Spruch: ""Wir schufen einst den Menschen und wissen, was ihm seine Seele einzuflüstern sucht: Näher sind wir ihm als seine Halsschlagader", der lt. Weidner wie Donner aus heiterem Himmel zur Umkehr mahnt, ist so originell nun wieder nicht - auch andere Religionen versetzen mit der angeblichen Allwissenheit Gottes ihre Schäfchen in Angst und Schrecken. Ein Grund Muslima zu werden? Nicht unbedingt.

Dem biblischen Gott hat Allah noch mehr voraus: "Wer den Koran liest, fühlt sich öfter selbst angeredet, als wäre auch er ein Prophet. Das ist betörend und unheimlich zugleich. Der Appellcharakter ist entsprechend größer und ebenso das Versprechen der Geborgenheit, wenn man nachgibt und sich bekennt." Jo, so wie bei IKEA . Das distanzlose, ständige Duzen ist auch betörend und unheimlich zugleich. Und nervt. Aber - der Appellcharakter ist entsprechend größer (als bei Höffi?) und ebenso das Versprechen der Geborgenheit, wenn man nachgibt und sich bekennt (also kauft). Und zu Hause bereut? Man muss schon sehr einfach gestrickt sein oder ein verdammt großes Bedürfnis nach religiöser Geborgenheit haben, um auf solche einfachen Tricks reinzufallen.

Weidner weiter: "Man könnte den Islam mit dem Heiratsantrag eines äußerst viel versprechenden, obschon recht autoritären Typen vergleichen. Die Versuchung zum Jawort ist bei solchen Anträgen naturgemäß groß, selbst wenn der Verstand schüchtern ein paar Einwände macht." Ein äußerst vielversprechender, autoritärer Typ? Meint Weidner tatsächlich den Islam? Und ist es ein Zeichen seelischer Gesundheit, einem solchen Typen das Jawort zu geben, entgegen jeder Vernunft?

Wie löst der Islam das Versprechen nach unendlicher religiöser Geborgenheit ein? Richtig, durch die Scharia. "Das Versprechen lockt immer und alle, und der Islam bemüht sich, es einzulösen, nicht zuletzt dank eines Aspekts, den wir Demokraten am heftigsten kritisieren (und komischerweise als Christen nicht missen): Dass Religion und Gesetz, Staat und Moschee ein Ding sind." Religion = Gesetz, Staat = Moschee. Der Traum eines jeden Fundamentalisten.

Und der Traum eines jeden Theokraten: "Die Demokratie verlangt von den Bürgern, Gesetze ständig zu überdenken, zu verändern, zu verbessern. Sie macht es schwer, sich mit dem Status quo zu identifizieren, und so droht sie uns zu überfordern. Mit dieser Überforderung macht die Konversion Schluss, selbst wenn der Verstand wieder einwendet, dass der Konvertit ja nicht im islamischen Mittelalter, sondern meist nach wie vor in einer westlichen Demokratie lebt." Die Konversion macht Schluss mit der demokratischen Überforderung des Einzelnen, der Islam macht dann Schluss mit der Demokratie. Ist ja auch viel einfacher, sich an die gute alte Scharia zu halten, als ständig die Gesetzte zu überdenken und zu verändern. Geradezu anheimelnd.

Wer sich das Denken abgewöhnt hat, kann dann auch die schönen Seiten des Islam entdecken. Die stärkste " ist die gottsucherische Seite des Islams, jene die sich mit dem überlieferten Religionsgesetz nicht zufrieden gibt, es oft nicht einmal wörtlich nimmt". Moment, besteht da nicht wieder die Gefahr der Überforderung? Die Religion ist doch das Gesetz, wie das Gesetz die Religion ist. Das ist nichts zu verbessern, dass muss der Gläubige wörtlich nehmen. Und da liegt auch das Problem, welches die "Ungläubigen" mit dem Islam haben.

Weidners Islambild - ungetrübt von jeder Realität:
"Jüdisches, Christliches, Buddhistisches, Altarabisches (wie die Wallfahrt nach Mekka), lokale Volksreligionen und sufisch-mystische Orden bilden ein kaum entwirrbares Gemisch, in das die neuen Islamdenker noch modernes westliches Gedankengut integriert haben. In einem solch universalem Islam kann jeder Gläubige nach seiner Façon glücklich werden, dabei Wein trinken wie die muslimischen Dichter und dennoch durch gelegentliches Blättern im Koran jederzeit an der göttlichen Allgegenwart teilhaben." So schön ist der Islam, eine all-in-one Religion, die jeden glücklich macht. Konvertiten sind daher nicht nur von jedem Verdacht der seelischen Instabilität freizusprechen, sondern zu ihrer klugen Entscheidung zu beglückwünschen.

Aber, warum ist Weidner nur "fast" Moslem geworden? Die Antwort: "Nun - ich kann einfach keine autoritären Typen ausstehen, selbst wenn sie Allah heißen." Weidner verzichtet auf die bunte Glückseligkeit, nur weil Allah im Koran ein bisschen autoritär daher kommt. Das ist echte Autonomie.

Donnerstag, 6. September 2007

Home Grown

Nachdem sich heraus gestellt hat, dass zwei der drei festgenommenen "Terrorverdächtigen" deutsche Konvertiten sind, warnt Schäuble vor "home grown terrorism". Mal ganz abgesehen davon, dass hier wieder mal ein völlig unnötiger Anglizismus eingeführt wird - der Begriff ist ganz einfach falsch. Die Täter mögen "home grown" sein, der Terrorismus ist es nicht.
Von "bestens in die deutsche Gesellschaft" integriert, kann bei radikalen Konvertiten, die ihren letzten Schliff in Pakistan erhalten, keine Rede sein. Schon die Konversion ist ein Ausdruck von Ablehnung der Herkunftskultur, wie Rolf Tophofen in der SZ (!) festgestellt.

Auf die Frage, was die Konvertiten so anfällig für den Islamismus macht, antwortet Tophofen:

"Zum einen dürfte natürlich ein ehrliches und starkes Bedürfnis nach religiösem Halt dahinter stecken. Zum anderen aber müssen sie einen großen Hass auf die gesellschaftlichen Verhältnisse verspüren, um diesen Schritt zu gehen. Die Konversion hilft ihnen, diesem Hass Ausdruck zu verleihen. Sie müssen ja die Motivation haben, im Namen des Islam den Westen anzugreifen. Der Islamismus kann ihnen da ein Ventil sein. Über ihn haben sie auch Zugang zu den Ausbildungslagern der al-Qaida. Aber um da ein Rolle spielen zu können, muss man zum Islam übertreten." Home grown terrorists ja, aber kein home grown terrorism.

Die "Welt" hat dagegen einen Interviewpartner gefunden, der Konvertiten für nicht weiter gefährlich hält, den Direktor des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland, Muhammad Salim Abdullah. Aus dessen berufenem Munde kommt die Aussage: "Nicht jeder Konvertit ist ein Terrorist". Beruhigend, bei rund 18.000 Konvertiten. Abdullah schätzt "dass höchstens 1 Prozent der Konvertiten Berührungspunkte mit dem militanten Islam haben".

Es dürften wesentlich mehr als die vom Islam-Archiv geschätzten 18.000 Konvertiten in Deutschland leben. Die Berliner Extremismusexpertin Claudia Dantschke tippt in der Welt auf "100.000, weil ich einfach einen ständigen Zustrom einzelner Konvertiten zu den Gemeinden sehe, und inzwischen sogar ganze Szenen, die nur noch aus Konvertiten bestehen". Und die nichtin jedem Fall friedlich sind. Dantschke unterscheidet zwischen den aus religiösen Motiven konvertierten Deutschen (Probleme mit der Dreifaltigkeit, Schuldgefühle, Erbsünde, Jesus), welche sich eher dem esoterischen Islam zuwenden (also friedlich sind und bleiben) und den politisch motivierten Konvertiten. Dazu zählt sie "Rechte und enttäuschte Linke, die den Islam politisch aufladen mit Imperialismuskritik, Antiamerikanismus, Antisemitismus, Ekel vor Konsum und westlicher Dekadenz. " Als ob der Islam noch zusätzlich aufgeladen werden müsste; Antiamerikanismus, Antisemitismus und der Ekel vor westlicher Dekadenz sind auch bei angeblich gemäßigten, unpolitischen Moslems mühelos zu finden, nicht nur in der westlichen Welt. Dafür brauchen sie keine Konvertiten. Eher können Rechte und "enttäuschte" Linke ihren Antiamerikanismus, Antisemitismus und Ekel vor westlicher Dekadenz, garniert mit Imperialismuskritik, unter dem schützenden Mantel der Religionsfreiheit so richtig ausleben.


Und denken muss man auch nicht mehr: "In einer Lebenskrise bietet der Islam einfache Lösungen an. Er regelt den Tagesablauf, ist totalitär, hat klare Feindbilder." Wie schön.

Ein geregelter Tagesablauf wird also geboten, in den so etwas Nebensächliches wie Geld verdienen nicht integriert werden kann. Die beiden arbeitslosen Terrorverdächtigen "hatten auch keine Zeit zu arbeiten", erklärte BKA-Präsident Jörg Ziercke ernst, "weil sie mit der Vorbereitung des Anschlags vollauf beschäftigt waren." Es treibt also weniger die desolate Lebenssituation zum Terrorismus, sondern die Arbeitslosigkeit ermöglicht durch die verfügbare Freizeit den Bombenbau. Mit einem 9 to 5 Job plus Überstunden, also als Wochenendterrorist, steigt man in der Szene sicher nicht auf. Bleibt die Frage, woher kommt das Geld für den Flug nach Pakistan, die Chemikalien usw. Aus einem der sympathischen Länder, in die unsere Entwicklungshilfeministerin Millionen Euro Steuergelder kübelt?



"Konvertiten", so der Islam-Kundler Martin Ruckhäuser, "machen alles 150-prozentig. Wer konvertiert, will keinen Islam light. Der will die volle Dosis." Kann die volle Dosis einer friedlichen Religion gefährlich sein?