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Sonntag, 4. Mai 2008

Fundamentalismus, objektiv betrachtet

Israel wird 60 - da will das deutsche Fernsehen nicht abseits stehen und sendet fleißig Dokumentationen über den Nahostkonflikt - so als ob der mit der Gründung Israel begonnen hätte.

Besonders beliebt sind Gegenüberstellungen von Israelis und "Palästinensern", wobei die Juden immer schlecht wegkommen.

Der Film "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm" schafft es, nicht nur die Israelis, sondern auch die Amerikaner schlecht aussehen zu lassen.

Der Zuschauer soll daran erinnert werden, dass es in allen Religionen "fundamentalistische Strömungen" gibt. Man vergisst diese Tatsache schnell, da nur die Fundamentalisten einer Religion in unterschiedlichen Weltgegenden gegen ihre andersgläubigen Mitbürger mit Gewalt vorgehen: fundamentalistische Moslems gegen Hindus in Indien, fundamentalistische Moslems gegen Buddhisten in Thailand, fundamentalistische Moslems gegen Juden in Israel, fundamentalistische Moslems gegen Christen in Darfur, fundamentalistische Moslems gegen Atheisten in Europa usw. Aber da ein Film über islamischen Fundamentalismus sich schon aus Sicherheitsgründen verbietet, versteckt man die muslimischen Fundis zwischen Christen und Juden.

Fundamentalistische Christen sind selbstverständlich die Evangelikalen in den USA. Begründung: sie setzen sich aus religiösen Gründen bei politischen Nahostkrisen für Israel ein, außerdem glauben sie nicht an die Evolution, sondern an die biblische Schöpfungslehre.

Die fundamentalistischen Juden werden von einer Siedlerin repräsentiert, die davon überzeugt ist, dass Gott das Heilige Land den Juden versprochen hat. Von Gewalt oder einem Gottesstaat hält sie nichts: "Wir sind sicher nicht wie die islamischen Fundamentalisten, die mit Terrorismus und Massenmord einen Gottesstaat errichten wollen."

Das Vorzeigen der christlichen und jüdischen Fundamentalisten nimmt ca. 35 Minuten in Anspruch, bleiben also noch knapp zehn für die Islamisten.

Aber: man traut sich nicht ran. Gezeigt werden Straßenszenen aus dem Jemen, verschleierte Frauen ("Tradition"), niedliche Kinder. Ein freundlicher muslimischer Händler läd zum Essen, nach Geschlechtern getrennt, aber auch das ist Tradition. Man erfährt, das nur Jungen das Geschirr und die zubereiteten Speisen bereitstellen dürfen und auch nur Jungen dürfen nach dem Essen wieder abräumen. Interessant, aber was hat das mit Fundamentalismus zu tun?

Zum Schluss ein Besuch in der Bibliothek einer Moschee: ein alter, ebenfalls sehr freundlicher Scheich führt stolz alte Prachtausgaben des Koran vor. Fundamentalismus?

Ein bisschen "Befreiungsrhetorik", mehr nicht. Auf jedem Berliner Schulhof erfährt man mehr über islamischen Fundamentalismus, als in dieser "Reportage" aus dem zutiefst friedlichen Jemen.

Fazit: Fundamentalismus gibt es hauptsächlich unter Christen und Juden, in den USA und in Israel. Muslime haben nur Traditionen und sind ansonsten sehr sehr friedlich. Amen.

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Es gibt zum Glück auch Filme, die vom üblichen Schwarz-Weiß-Schema abweichen, wie zum Beispiel "Sharon", ein Portät des durchaus auch im eigenen Land umstrittenen PMs Ariel Sharon, oder "Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen" über die Embryonalphase Israels.

Mittwoch, 2. April 2008

Kollektivhaftung

"Man kann doch nicht ein ganzes Volk für die Verbrechen Einzelner bestrafen" ist so eine Phrase die man immer wieder hört, wenn Israel versucht, seine Bevölkerung vor arabischem Terror zu schützen.Israel hat kein Recht, sich durch einen Zaun vor Fleischbomben zu schützen, weil dadurch auch die "unschuldigen Palästinenser" in ihren Rechten eingeschränkt werden. Sogar die Kontrolle von Arabern an Checkpoints wird als entwürdigend angesehen - schließlich hat nicht jeder von denen eine Bombe dabei, und man kann sie ja nicht alle unter Generalverdacht stellen. Das ist rassistisch.

Israel hat ebenfalls kein Recht, auf den täglichen Raketenbeschuss durch die Hamas zu reagieren. Denn dabei können auch "unschuldige Palästinenser" verletzt oder getötet werden. Allein die Ankündigung (!) Israels, als Reaktion auf den Kassambeschuss stundenweise die Stromlieferung nach Gaza zu reduzieren, wurde als inhumaner Akt verurteilt, da auch die Zivilbevölkerung betroffen wäre, die keinesfalls für die Taten der Hamas verantwortlich sei und daher auch nicht bestraft werden darf.

Nach den Anschlägen New York, London, Madrid, Bali oder Djerba mit Hunderten von Toten und Verletzten wurde sehr schnell zur "Besonnenheit" gemahnt. Keinesfalls dürfe man für die Taten einzelner Radikaler alle Muslime verantwortlich machen, da die große Mehrheit der Muslime friedlich ist und Terror ablehnt.

Terroranschläge werden immer nur von "Einzeltätern" ausgeführt,unabhängig davon wie groß die Organisation ist, die hinter den Anschlägen steckt und von wie vielen Ländern sie finanziert wird. Sanktionen gegen den Iran zu fordern, dessen erklärtes Ziel es ist, Israel zu vernichten, ist extrem unpopulär, obwohl die Finanzierung der Hamas durch Teheran genausowenig ein Geheimnis ist, wie das militärische Ziel des iranischen Atomprogramms. Den Iran boykottieren? Nein, das würde ja nur die Falschen treffen, die Bevölkerung, die niedlichen persischen Kinder.

Völlig anders sind die Reaktionen, wenn sich Muslime irgendwie vom Westen gekränkt fühlen, sei es durch Zeichnungen, sei es durch einen Film. Dann wird Bestrafung eines möglichst großen Kollektivs schnell zur religiösen Pflicht.

Brennende Fahnen, brennende Botschaften, ermordete Christen - die Reaktion der aufgehetzten Muslime in den arabischen Ländern auf die Mohammed-Karikaturen war keineswegs "besonnen". Der Aufruf zum Boykott dänischer Waren (zuletzt durch den Sudan, immerhin zweieinhalb Jahre nach dem Erscheinen der Zeichnungen) sollte nicht nur die Karikaturisten oder Jyllands Posten treffen, sondern alle Dänen / Europäer / Christen - den "Westen". Gravierende Konsequenzen für die eigene Bevölkerung werden in Kauf genommen, so boykottierten pakistanische Ärzte als Reaktion auf die Mohammed-Karrikaturen europäische Medikamente und halfen ihren Patienten mit "alternativen" Heilmitteln.

Eine knappe Woche nach der Veröffentlichung des Wilders-Films soll nun Holland boykottiert werden. Die islamische Partei PAS in Malaysia fordert "die Muslime der ganzen Welt dazu auf, ab sofort alle niederländischen Produkte zu boykottieren". Den Anfang machen die Kunden der Supermarktkette "Mydin". Wie Spon berichtet, werden dort rote Warnhinweise auf holländische Produkte geklebt und an die Kunden, Muslime wie Nichtmuslime, appelliert, diese zu boykottieren. Myrin bietet also Waren zum Boykott an! Erinnert an Flaggen-Schlüter, der in Ramallh dieser Tage wohl auch wieder viel zu tun hat: "Aber vielleicht möchten sie ja mein dänisches Pundergebäck boykottieren? ... Wieviel wollen Sie denn nicht kaufen?"

Beschämend das Verhalten der niederländischen Geschäftsleute, die Wilders (!) verklagen wollen, wenn es zu einem Boykott kommt. In vorauseilendem Gehorsam akzeptieren sie die völlig überzogene Reaktion der muslimischen Seite, nur die unangenehmen Folgen der Kollektivstrafe sollen auf einen einzelnen "Schuldigen" abgewälzt werden.


Samstag, 29. März 2008

Der holländische Mob

... verhält sich ruhig!

Die befürchteten Reaktionen auf den Geert Wilders Film "Fitna" sind in Holland -wie im übrigen Europa- ausgeblieben.

Das "Hassvideo", das "keinem anderen Zweck [dient], als dem, den Hass anzustacheln" (D.Rupel, Vorsitzender des EU-Ministerrats), wurde millionenfach angeklickt, trotzdem kam es weder zu Ausschreitungen gegen Muslime, noch randalierten fanatisierte Niederländer auf den Straßen. Es wurden weder saudische/syrische/iranische Fahnen verbrannt, noch Moscheen niedergerissen.

Die Reaktion der "zum Hass angestachelten" Europäer: beschämt, dass einer von ihnen, ein "Nichtmoslem" es tatsächlich gewagt hat, einen "islamkritischen" Film zu drehen.

Und ängstlich. Das BKA fürchtet Anschläge , die Mitarbeiter von LiveLeak fürchten um ihr Leben. Es ist die Angst vor Wilders Opfern, die Angst vor den friedlichen Muslimen, die sich durch den Film beleidigt fühlen könnten. Die Angst, dass dieses Beleidigtsein in unislamischen Aktionen seinen Ausdruck findet. In der Berliner U-Bahn vielleicht, oder in einem Kölner Bus.

Inzwischen macht sich Erleichterung breit, die Reaktion der Anhänger der Religion des Friedens ist verhaltener als befürchtet. Es ist wohl auch dem letzten Islam-Funktionär klar, dass wütende Proteste eine Bestätigung Wilders wären. Eine neue Strategie muss her, denn so einfach kann man dem Kufar seine Frechheit nun doch nicht durchgehen lassen. Das Beleidigtsein (und man ist völlig zurecht beleidigt, da nichts in Wilders Film irgendetwas mit dem Islam oder dem Verhalten seiner Anhänger zu tun hat) lässt sich auch ohne Gewalt in politisches Kapital verwandeln.

Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, verlangt vom deutschen Innenminister sich eindeutig von dem Film zu distanzieren, da dieser die Grenze der Meinungsfreiheit überschreitet, stigmatisierend sei und den Frieden gefährde. Darüber hinaus fordert Kolat, den Film -auch im Internet- zu verbieten.

Eine reine Machtdemonstration. Wilders und Schäuble sind nicht in derselben Partei, Schäuble hat keinerlei Sympathie für den Film gezeigt und ist als Bundesinnenminister auch nicht für das Verhalten niederländischer Politiker zuständig. Wieso soll er sich von etwas distanzieren, dem er nie nahegestanden hat? Kolat ("partizipieren statt integrieren") bestimmt nicht die Grenzen der Kunst- bzw. Meinungsfreiheit in Europa, die Forderung nach einem Verbot des Films (auch im Internet!) kann also nur als deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, künftig alle von Wilders angesprochenen Misstände unter den Teppich zu kehren. Um den Frieden nicht zu gefährden. Da Kolat Schäuble ausdrücklich in dessen Funktion als Leiter der Islamkonferenz anspricht, wird wohl auch dort Wiedergutmachung in Form von Zugeständnissen an die Türkische Gemeinde gefordert werden.

Und neuer Ärger ist in Sicht. Der Zeichentrickfilm "The Life of Mohammed" von Ehsan Jami soll am 20. April ausgestrahlt werden.

Montag, 25. Februar 2008

Sägefisch: Helmut Kohl. Ist sein Sohn Muslim?

Es ist in unserer Demokratie zwar egal, welcher Religion der Sohn eines Ex-Kanzlers angehört, genauso wie es egal ist, welche Regligion die Kanzlerin, der Bundespräsident oder sonstwer praktiziert (oder nicht praktiziert).

In der Praxis ist man nicht ganz so indifferent, da wird dann schon darauf geachtet, wer den Amtseid auf die Bibel leistet und wer nicht. Auch sollten Katholiken und Protestanten möglichst ausgewogen im Parlament vertreten sein.

Ist Peter Kohl Muslim? Und nahm sich Hannelore deshalb das Leben? Fragen über Fragen ...

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Freitag, 15. Februar 2008

Happy Valentine's Day

Ein neuer Tag im islamischen Protestkalender: der Valentinstag.







Quelle

Sonntag, 3. Februar 2008

Sharia light ?

Dr. Suhaib Hasan fordert die Integration der Sharia in das britische Rechtssystem. Zunächst "nur" das Privatrecht, das Heirat, Scheidung, Erbschaft usw. regelt, angeblich zum Nutzen der in England lebenden Muslime. Klick

Von dem momentan geltenden Recht ist die islamische Hochzeit nicht anerkannt, der religösen Zeremonie muss eine Registrierung beim Standesamt vorangehen. Das Gleiche gilt für Scheidungen: nur unter Zeugen die Frau verstoßen reicht nicht aus, um eine Ehe rechtsgültig zu beenden.

Unzumutbar? Auch islamisches Recht ist nicht nach jedermanns Geschmack. Als bedauernswertes Beispiel muss "Amnah" herhalten, eine "moderne britische Muslima", die zu ihrem Baumwollkostüm einen Hijab trägt. Mit islamischem Recht kennt sich die selbstbewusste Frau leider gar nicht aus, so ist sie ganz fassungslos, ob der Tatsache, das dieses Recht für sie auch dann gilt, wenn sie die "Gründe" nicht versteht. Ihr Problem: sie ist seit kurzem geschieden (nach britischem Recht?) und möchte erneut heiraten. Zwischen Scheidung und neuer Heirat muss eine Karenzzeit von drei Monaten eingehalten werden, auch wenn man den Exehepartner -wie in Amnahs Fall- schon länger nicht mehr gesehen hat.

"Aber warum muss ich die Wartezeit beachten?" fragt sie Hasan. "Was ist die Begründung? ... Diese Begründung trifft nicht auf mich zu, deshalb bin ich so verwirrt. Wenn Sie mir begründen könnten, warum ich drei Monate warten muss, würde ich es verstehen." Oder auch nicht.

Die Antwort des Scheichs ist einfach: "Die Regeln stehen alle im Koran. Die Regeln sind für alle gemacht." Amnah muss sich fügen, Dr. Hasan ist ein Richter und dies ist ein Shariagerichtshof - in Ost London. Einer von Dutzenden ...

Nun scheint Amnahs Fall nicht besonders schwerwiegend, eine dreimonatige Wartezeit zwischen zwei Ehen mag lästig sein, bringt aber in den seltensten Fällen große Nachteile. Zudem hat Amnah noch (!) die Möglichkeit, das Shariagericht zu umgehen. Denn, " die Urteile der Shariagerichte haben keine Grundlage im britischen Recht, daher sind sie rein technisch unzulässig - sie sind nur verbindlich, solange die Beteiligten sie befolgen."

Das soll sich ändern. Dr. Hasan glaubt, dass die Integration einiger Aspekte des islamischen Rechts in das Zivilrecht vorteilhaft wäre. Der schlechte Ruf der Sharia im Westen ist ihm dabei durchaus bewusst: "Immer wenn die Menschen das Wort "Sharia" mit Muslimen assoziieren, denken sie an auspeitschen, zu Tode steinigen und Handabhacken" sagt er mit einem Lächeln.

Immerhin will er das islamische Strafrecht (noch) nicht in England einführen. Nicht weil er die Strafen der Sharia ablehnt, sondern weil die Einführung des Strafrechts der Sharia ausschließlich zu den Aufgaben eines islamischen Staates gehört. Und ein islamischer Staat ist GB (noch) nicht.

Mit den Körperstrafen selbst hat der Richter Dr. Hasan kein Problem, er setzt ganz auf deren abschreckende Wirkung: "Auch wenn das Abhacken der Hände und Füße, oder das Auspeitschen der Säufer [!] und Wüstlinge sehr abscheulich zu sein scheint, sobald es ausgeführt wird, wirkt es abschreckend auf die gesamte Gesellschaft. Dies ist der Grund, warum in Saudi Arabien zum Beispiel, wo diese Maßnahmen umgesetzt werden, die Kriminalitätsrate sehr, sehr gering ist."

Unter diesem Aspekt ist die Einführung der Sharia fast eine Notwendigkeit: "Wird das Gesetz der Sharia angewandt, können Sie dieses Land in eine Oase des Friedens verwandeln, denn, ist die erste Hand eines Diebes erst abgeschlagen, wird niemand mehr stehlen. ... Sobald nur ein einziges Mal ein Ehebrecher gesteinigt wurde, wird niemand mehr das Verbrechen des Ehebruchs begehen. ... Wir möchten es der britischen Gesellschaft anbieten. Wenn sie es akzeptiert, ist es gut für sie und wenn sie es nicht akzeptiert, wird sie mehr und mehr Gefängnisse bauen müssen."

Ein kurzer Blick in die Rechtsgeschichte zeigt, dass auch drastische Strafen Diebstähle nicht verhindern können. So galt in England lange Zeit für kleine Diebstähle sogar die Todesstrafe - eine Oase des Friedens war das Land trotzdem nicht. Eher das Gegenteil. Und grausame Todesstrafen für Ehebruch gab es auch schon in der europäischen Rechtsgeschichte - sicher abschreckend, aber um welchen Preis.

Auch im Zivilrecht ist die Integration des Sharia in das britische Recht unmöglich. Die Benachteiligung der Frau gesetzlich festzuschreiben ist in einem demokratischen Land nicht hinnehmbar. Deshalb versuchen die Scheichs immer wieder, die großen Vorteile die der Islam im Allgemeinen und die Sharia im Besondern den Frauen angeblich bringt, herauszustreichen.

So hält Ibrahim Mogra, Vorsitzender des Muslim Council of Britain's inter-faith commitee, die Sharia für ein gerechtes System: "Man mag meinen, eine Ehefrau habe unter dem islamischen Recht keine Rechte, aber der Ehemann ist verpflichtet für alles in der Ehe zu zahlen und im Fall der Scheidung behält die Frau ihr persönliches Eigentum." Was die Frau nach einer Scheidung nach islamischem Recht nicht behält, sind ihre Kinder - die bleiben beim Vater. Und an persönlichen Dingen darf sie nur das behalten, was sie auch schon vor der Ehe besessen hat, jeglicher Zugewinn bleibt beim Mann.

Auch das imbritischen Recht verankerte Verbot der Zweitehe bringt, nach Scheich Mogra, der Frau nur Nachteile: "Ein Moslem kann sich unter dem Recht der Sharia eine Zweitfrau nehmen und sie behandeln wie er will - weil er weiß, daß sie keine Rechte in Britannien hat. Das bedeutet, sie gilt nicht mehr als eine Geliebte und er kann sie sitzen lassen wann immer er möchte."

Das Problem ist in diesem Fall allerdings nicht das Verbot der Zweitehe, sondern das Unterlaufen des britischen Rechts durch die islamische Community. Zu Lasten der Zweitfrau selbstverständlich - die natürlich auch als Zweitfrau nicht rechtlos ist. "Rechtlos" ist sie in den Augen ihres Ehemannes und in den Augen ihres islamischen Umfelds - da alle Rechte auf ihren Ehemann übergehen. Vor dem britischen Gesetz -in der Realität sozusagen- behält sie natürlich auch als (Zweit-) Ehefrau sämtliche Rechte, die jeder anderen Britin auch zustehen. Keinesfalls darf der Ehemann mit ihr umgehen wie er möchte, sie kann ihn jederzeit verklagen oder verlassen. Und was das "sitzen lassen" betrifft: eine Scheidung ist für einen muslimischen Mann die einfachste Sache der Welt. Er verstößt die Frau unter Zeugen, behält die Kinder, das war's. Nach dem derzeit geltenden Recht, kann sich die "Zweitfrau" jederzeit von ihrem Ehemann trennen, behält das Sorgerecht für ihre Kinder und hat Anspruch auf deren Unterhalt. Die Einführung der Scharia wäre also kein Vorteil für sie, sondern für den Ehemann.

Man kann nur hoffen, dass sich die Muslime mit ihrem Wunsch, die Sharia in das britische Recht einzubringen, nicht durchsetzen.

Samstag, 26. Januar 2008

Kulturelle Missverständnisse - Respekt, Ehre und Religion

Ein lesenswertes Interview mit Necla Kelec in der taz.

Armut
"Wenn man in diese Familien schaut und fragt, wie das Geld verdient wird und wofür es ausgegeben wird, dann sieht man, dass diese Familien sich plötzlich eine Hochzeit für zwanzigtausend Euro leisten können. Sie unterstützen ihre Familien in der Türkei mit Geld und mit Gold. Ein Vater lässt seine vier Kinder arbeiten und kassiert ihren Lohn. Das Kindergeld kommt nicht den Kindern zugute, der Vater verzockt es beim Kartenspiel. Und die Mütter verdienen mit Putzstellen Geld, das sie dann für Hochzeitskleider ausgeben. Das Geld wird kulturell ausgegeben. ... In muslimischen Familien haben Väter ihre archaischen Vorstellungen. Es gilt, ihnen zu gehorchen. Und das darf nicht mit Respekt verwechselt werden. Dass ihre Kinder selbstständig werden sollen, studieren können, das ist oft nicht ihre Idee. Zu wenige Familien investieren in ihre Kinder."

Das gilt nicht ausschließlich für Unterschichtenfamilien mit Migrationshintergrund. Auch deutsche Unterschichtenfamilien sind nicht "arm", wenn man unter Armut nur den Mangel an Geld versteht. Was der Unterhaltung und dem Vergnügen dient, ist auch dort finanzierbar. Der Plasmafernseher im Wohn-, der Zweitfernseher im Kinderzimmer; der Computer, die Playstation, das Handy, der Alkohol und die Kippen kosten richtig Geld, gespart wird leider oft an den Kindern. Das Problem ist das Gleiche, wie in "armen" Familien mit Migrationshintergrund: diese Familien investieren zu wenig in ihre Kinder.

Respekt
"Respekt im muslimischen Sinne verlangt Unterordnung, Gehorsam und Gefolgschaft. Dem Vater und der Religion gegenüber. Respekt, wie wir ihn verstehen, ist eine individuelle Haltung, die auf Eigenverantwortung und Würde setzt."

Ehre
"Denn es hat sich auch bei diesen Familien, die von Arbeitslosigkeit nicht betroffen sind, am Erziehungskonzept in all den Jahrzehnten nichts geändert. Der Vater ist das Oberhaupt, die Töchter und Frauen sind die Ehre - seine Ehre. Er erzieht seine Söhne so, dass sie auf seine Ehre aufpassen. Wenn sie dabei versagen, bekommen sie Schläge. Die Mädchen werden mit Gewalt konfrontiert. Wenn sie aber nun sagen, sie wollen ihren eigenen Weg gehen, entehren sie die Familie."

Interessante Aspekte zum Zusammenhang von Stammeskultur und "Ehrenmord" finden sich auch in Pipes Rezension des Buches "Culture and Conflict in the Middle East" von Philipp Carl Salzmann. Er unterstreicht die Funktion, welche die soziale Kontrolle durch Familienfremde bei der Überwachung der Töchter spielt: "Die weiblichen Mitglieder anderer Familien werden in der Hoffnung überprüft, dass man sie bei einer unmoralischen Tat erwischt, wodurch ihre Verwandten gezwungen wären sie zu töten und ihre Fruchtbarkeit zu verlieren. Dieser letzte Punkt läßt darauf schließen, dass ausgewogene Gegnerschaft für einen großen Teil des bekannten nahöstlichen Brauch des "Ehrenmordes" verantwortlich ist, bei dem Brüder Schwestern ermorden, Cousins Cousinen ermorden, Väter Töchter ermorden und Söhne Mütter ermorden. Bezeichnenderweise werden Indiskretionen von Frauen innerhalb der Familie toleriert und führen fast nur dann zu Morden, wenn sie außerhalb der Familie bekannt werden. "

Religion
"Religiös" bedeutet in der islamischen Kultur eine Haltung des Dienens und Gehorchens. Was ein Älterer mir sagt, habe ich zu tun! Wenn ein Junge früh auf die Straße geschickt wird, weil er zu Hause nichts zu suchen hat, dann ist das Teil der islamischen Erziehung. Sie aber verstehen unter Religion nur, dass man in die Kirche geht und betet."

Kritik an der islamischen Religion mag die taz (Jan Feddersen, Daniel Bax) nun überhaupt nicht hinnehmen. Zumindest nicht, ohne auch auf die Nachteile des Christentums im allgemeinen und die der Hardcorevariante "Katholizismus" im besonderen hinzuweisen. Islamkritik ohne Relativierung scheint ein echtes Problem zu sein, es ist bedenklich, wenn in einer "linken" Zeitung erzkonservative Christen zur Legitimation diskriminierender kultureller Praktiken herangezogen werden.

taz: "Sex vor der Ehe ist doch auch unter erzkonservativen Christen verpönt ... Der Islam ist nicht frauenfreundlich, einverstanden. Aber das gilt ja auch für alle anderen Religionen."

Kelec:" Genau das ist Ihr Problem, dass Sie das Christentum mit dem Islam vergleichen. Die Moscheevereine sind keine Kirchen, sie bilden keine einheitliche Religion. Das sind lauter Sekten. Die wissen ja selber nicht einmal, was der Islam sein soll. Das ist das Gefährliche."


Dienstag, 22. Januar 2008

Mürvet Öztürks Antwort auf Necla Kelek...

...in der heutigen taz ist genauso platt, wie man sie von einer Verbandsfunktionärin erwartet. Abwiegeln, die Gemeinde in Schutz nehmen, keinerlei Kritik zulassen oder Selbstkritik üben und die Nestbeschmutzerin angreifen - alles so neu nicht, nur dass die Aleviten den Ruf geniessen, so gaaaanz anders zu sein, als die anderen Muslime, wird immer unverständlicher.

Falsche Behauptungen gehören auch zur Verteidigungsstrategie:
Öztürk: ...Aber der eigentliche Inzestvorwurf, den es in der türkischen
Gesellschaft gegen die Aleviten gibt und der auch im "Tatort" gezeigt
wurde, ist ja ein ganz anderer Aspekt.

taz: Welcher ist das?

Öztürk: Dieser lautet, dass Familienmitglieder während der Religionsausübung
Inzucht betreiben würden, Geschwister oder Eltern mit ihren Kindern
Orgien feiern. Das ist ein historisches Vorurteil, um die Aleviten in
der Türkei gesellschaftlich bewusst zu marginalisieren.
Genau dieser Aspekt des Inzestvorwurfs spielte in dem Tatort "Wem Ehre gebührt" keine Rolle. Es ging um den sexuellen Missbrauch eines alevitischen Mädchens durch seinen Vater nicht um eine Orgie im Familienkreis, an der alle freiwillig teilnehmen und die als rituelle Handlung angesehen wird.


Montag, 21. Januar 2008

Wem Ehre gebührt

Necla Kelek in der taz über den Protest der Aleviten:
Die Aufregung der alevitischen Gemeinde und anderer Migrantenverbände über den "Tatort"-Krimi "Wem Ehre gebührt" macht stutzig - stehen doch Anlass und Aufregung offenbar in keinem Verhältnis. Soll hier durch Empörung über Vorurteile gegenüber Aleviten vielleicht etwas anderes bewirkt werden?...Dass hinter der Aufregung über den "Tatort" mehr stecken muss als die Empörung über einen Film, wird auch schon durch den Aufwand deutlich, mit dem die Aleviten sich selbst in die Öffentlichkeit gedrängt haben. Die Demonstration von 20.000 Leuten ist eine Botschaft an die Politik: Achtung, es gibt viele Aleviten, und die sind bereit, auf die Straße zu gehen, wenn über sie geredet wird. Sie wenden sich gegen das "Anschwärzen", wie das türkische Massenblatt Hürriyet die Darstellung des "Tatorts" nennt, und Verbandssprecher von der Linkspartei bis zur Türkisch-Islamische Union (Ditib) übten Solidarität wegen der angeblichen Ehrverletzung. Bisher waren die Aleviten gewohnt,als die guten oder als die anderen Muslime in Ruhe gelassen zu werden.Aber nun wird auch über sie in der Öffentlichkeit diskutiert. Und siezeigen, dass sie, wie andere türkisch-muslimische Männer auch, ihreEhre verteidigen, wenn es um ihre Töchter und Frauen geht. "Bis zum Tod" war auf einem Transparent in Köln zu lesen. Sie wollen, dass Berichte über ihre Art zu leben weiterhin tabu bleiben. Dabei sollen die Fakten unter den Tisch fallen. Die Aleviten verhalten sich, als wollten sie durch den organisierten Aufschrei die Sache selbst übertönen. Tatsächlich stellen in der türkisch-muslimischen und besonders auch der alevitischen Community Gewalt und sexueller Missbrauch ein ernst zu nehmendes und umfassendes Problem dar. ...

Mittwoch, 2. Januar 2008

Blair, the Muslim?

Dass Tony Blair kurz vor Weihnachten der Church of England der Rücken gekehrt und sich der römisch-katholischen Konkurrenz angeschlossen hat, war weder für die Queen noch für ca. 25 Mio Briten eine schöne Überraschung.

Aber, muss er sich - am Weihnachtsabend- allen Ernstes fragen lassen, warum er nicht den Islam gewählt hat? Und sich belehren lassen, wie rückschrittlich und schlecht die katholische Kirche ist? Wie schlecht der Ruf der katholischen Christen in der arabischen Welt ist?

Der Artikel von Ajmal Masroor ist nicht nur extrem arrogant, er zeigt auch, dass religiöse Toleranz von der christlichen Seite mit religiöser Ignoranz von der muslimischen Seite beantwortet wird.

Die Argumente sind haarsträubend:

1. "Blair hat sich lobend über den Islam geäußert - warum wird er also Katholik und nicht Moslem?"

Kann es ein britischer Politiker wagen, sich negativ über den Islam zu äußern. Oder auch nur neutral. Kommt eine solche Äußerung von einem Premierminister - die Folge wären wütende Proteste der Anhänger der Religion des Friedens, der Vorwurf der Islamophobie von den Nichtmuslimen - die politische Karriere wäre wohl sehr schnell am Ende.

2. "Warum sollte sich Blair zu einer älteren Version der Offenbarung Gottes zuwenden, wenn es doch den Koran gibt? Seine Konversion kommt mir eher rückschrittlich vor."

Das hat nun nichts mit der so oft postulierten Rückschrittlichkeit der römisch-katholischen Kirche zu tun - rückschrittlich ist für Masroor das Christentum als angeblich ältere Offenbarung an sich. Für Christen- und Blair war und ist nunmal Christ- ist Mohamed kein Prophet und die von ihm verkündeten Weisheiten sind -soweit sie nicht aus der Bibel abeschrieben sind- nicht das Wort Gottes. Einem Moslem mag das rückschrittlich (oder blasphemisch) erscheinen, für Christen ist das Gerede von der Rückschrittlichkeit ihres Glaubens ein Zeichen von religiöser Arroganz.

3. "Wenn Blair den Koran so für seine reformistischen Ansichten bewundert, warum wendet er sich dann dem Christentum zu und speziell der katholischen Kirche, die beschwert ist mit Jahrhunderte altem Ballast?"

Wieder diese angeblich so große Bewunderung Blairs für den Koran (!) verbunden mit der Abwertung des Christentums. Wie einfach wäre das Leben für ihn als Moslem: "In seiner Rolle als Nahostvermittler hätte er die Herzen und Seelen der muslimischen Welt gewonnen, wäre er zum Islam gekommen. Vielleicht hätte er Erlösung gefunden für seine Verbrechen gegen den Irak und dessen unschuldige Bevölkerung." Aber nein, statt für die schnellen Absolution entscheidet sich der Ex-PM doch tatsächlich für eine Religion, die sich auch schon mal gegen den Islam gewandt hat. Ein weiterer Grund für die Muslime, mal wieder verletzt und beleidigt zu sein: "Seine [Blairs]Konversion zum Katholizismus wird zweifellos die muslimische Welt, besonders die arabische Welt an die Geschichte der Kreuzzüge erinnern. Das Blut von Millionen Menschen befleckt noch die Straßen des Heiligen Landes, vergossen von den kaltblütigen Mördern im Namen der Christenheit und gesegnet vom Papst in Rom." Die Straßen im Heiligen Land sind blutbefleckt - vergossen wird das Blut von den Fleischbomben der Hamas, gesegnet von Muslimen in aller Welt. Und nicht nur die Straßen im Heiligen Land, auch auf denen des Vereinigten Königreichs klebt Blut. Vielleicht wurde Blair deshalb kein Moslem?

Darüber hinaus waren die Kreuzzüge ein europäisches Unternehmen - der Papst rief dazu auf, die Könige von England und Frankreich folgten. Der Kaiser natürlich auch. Die Kreuzzüge sind ein düsteres Kapitel in der europäischen Geschichte, aber die plumpe muslimische Propaganda die mit den Kreuzzügen betrieben wird, nervt. Das eine Ursache der Kreuzzüge die schnelle und aggressive Ausbreitung des Islam, also der Religion des Friedens, war, wird immer ausgeblendet. Dass es nicht nur um die Rückeroberung der heiligen Stätten (die ja wohl zuvor von Muslimen erobert worden waren, gewaltfrei versteht sich), sondern auch um die Abwehr der Seldschuken im byzantinischen Reich ging, auch. Wie überhaupt die Eroberung von Byzanz und andere muslimische Massaker offenbar kein tiefes Trauma in der Bevölkerung hinterlassen zu haben scheinen.

4. "Der Islam steht zweifellos für Toleranz und zeigt dies durch das Verleihen eines besonderes Status an Christen und Juden, die auch Völker des Buches genannt werden - Ahl al-Kitab [arab. die Schriftbesitzer]. Das Christentum macht nicht das selbe. Blair erinnerte und das "die Flaggenträger der Toleranz im frühen Mittelalter viel häufiger in den muslimischen als den christlichen Ländern zu finden waren". Ja, aber warum konvertierte Mr. Blair zum Katholizismus. Er steht doch sicher für Toleranz, Forschritt und eine verantwortungsvolle Regierung."

Das islamische Toleranzmärchen darf natürlich auch nicht fehlen. Das der Dhimmi-Status der Christen und Juden im frühen Mittelalter noch heute als Musterbeispiel für die islamische Toleranz herangezogen wird, zeigt eher, wie traurig es um diese Toleranz in Wirklichkeit bestellt ist. In unserer Gesellschaft haben Moslems die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Staatsbürger auch. Das Dhimmi-Dasein der Christen im frühen Mittelalter ist kein Grund, zum Islam zu konvertieren:

"Gemäß dem Historiker at-Tabari erließ der Abbasidenkalif al-Mutawakkil im April 850 einen Befehl, wonach Christen und alle Schutzbefohlenen honigfarbene Umhänge taylasan und die althergebrachten Gürtel und eine gelbe Kopfbedeckung zu tragen hatten. Kleidervorschriften und weitere Unterscheidungsmerkmale sind allen Gemeinschaften des ahl al-dhimma auferlegt worden.

  • al-Mutawakkil ließ ferner an die Häuser aller Nicht-Muslime schwarze Teufelsköpfe malen und ihre Gräber einebnen, um sie dadurch von den Gräbern der Muslime unterscheiden zu können.
  • Gottesdienste und Beerdigungen sind unauffällig zu halten; dabei sind keine Zeichen ihres Glaubens, z. B. Kreuze, zu zeigen.
  • Gemäß diesem Erlass von al-Mutawakkil mussten neu errichtete Gotteshäuser zerstört werden. Wenn der Platz groß genug war, sollte er als Bauland für eine Moschee verwendet werden.
  • Dhimmis durften in Staatsämtern nicht beschäftigt werden.
  • Kinder von Dhimmis hatten keinen Anspruch darauf, Schulen der Muslime zu besuchen oder von einem Muslim unterrichtet zu werden." Quelle:Wikipedia
Und wie sieht es heute mit der vielbeschworenen religiösen Toleranz in islamischen Ländern aus? In Saudi Arabien, im Iran, in der angeblich säkularen Türkei?

Peinlich auch, dass die Muslime es offenbar selbst nicht merken, dass sich kaum ein Europäer von diesem mittelalterlichen Toleranzbegriff beeindrucken lässt. Hätte es die gleichen Vorschriften im mittelalterlichen Europa gegeben - sie würden heute als ein abschreckendes Beispiel der Intoleranz zitiert werden, als ein Beweis dafür, wie tief verankert diese Intoleranz in der europäischen Kultur ist.

5. "Und am Ende habe ich eine letzte Frage an Blair. Sagten Sie nicht "der Glaube des Islam ist sehr friedlich und ein sehr schöner Glaube"? Warum haben Sie es nicht mit dem Islam versucht? Ich möchte nicht, dass sie ihre Suche nach Spiritualität aufgeben, aber es ist nicht zu spät, den Islam zu testen - Sie werden ihn mögen. "

Ein zurück würde es für Blair dann auch nicht mehr geben, egal ob er den Islam mag oder nicht. Der Abfall vom islamischen Glauben wird -im Gegensatz zu den meisten anderen Religionen, die Apostasie auch nicht gern sehen- in der Regel mit dem Tod bestraft.




Liebe Queen, liebe Anglikaner, seid nicht traurig, Tony Blair an die Katholiken verloren zu haben. Freut euch, dass er nicht Moslem geworden ist.

Montag, 31. Dezember 2007

Unsere Geduld ist am Ende - Vorzeigemoslems am Rand des Nervenzusammenbruchs

Der Anlass ist- aus deutscher Sicht- banal. Ein Tatort, eine erfundene Geschichte. Sex and crime. Ein Vater der seine Tochter missbraucht. Die Tochter, die sich zu schützen versucht, indem sie dem liberalen alevitischen Islam (gleichberechtigte Frauen, kein Kopftuch) den strengeren sunnitischen Islam (unterdrückte Frauen, Kopftuch) vorzieht.

Die Handlung des Krimis ist nicht wichtig, gesehen hat ihn wohl kaum jemand der Protestierenden. Das Reizwort heißt Inzest - Inzest in einer alevitischen Familie. Die alevitische Glaubensgemeinschaft reicht eine Klage wegen Volksverhetzung ein, in Berlin und Köln demonstrieren Tausende gegen die ARD, mit dem Grundgesetz in der Hand, aber auch mit Plakaten, auf den "Unsere Geduld ist am Ende" oder "Es reicht" steht. Verlangt wird offizielle Entschuldigung der für die Ausstrahlung des Tatorts Verantwortlichen.

Die Wut der Aleviten ist nachvollziehbar, wenn man die Bedeutung des Inzestvorwurfs in der Geschichte dieser Glaubensrichtung kennt und darüber hinaus die gespannten Beziehungen zwischen Sunniten und Aleviten in der Türkei berücksichtigt. Seit Jahrhunderten haben die Gleichberechtigung in der Ausübung des Glaubens und die gemeinsame Teilnahme von Männern, Frauen und Kindern an religiösen Ritualen den Aleviten den Vorwurf des "Inzests" eingetragen, oft verbunden mit blutiger Verfolgung. Das Stigma des Inzests klebt an den Aleviten wie das der Brunnenvergiftung an den Juden. Ein Tatort mit einem brunnenvergiftenden Juden der nebenbei christliche Kinder abschlachtet am Sonntagabend um 20:15 im Ersten? Undenkbar. Zu Recht.

Der Vergleich, der auf den ersten Blick überzeugend erscheinen mag, ist weit hergeholt.

1. Was ist Inzest? Sexuelle Handlungen zwischen (nahen) Verwandten. Ja, aber es gibt auch andere Auslegungen, wie bei Spon deutlich wird: "Nach Ansicht einiger Vertreter der Gemeinschaft bestätige der Inhalt des "Tatorts" eine alte Unterstellung seitens der sunnitischen Muslime, die Aleviten betrieben in ihren Gemeinden Inzest, indem sie religiöse Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern exerzierten. Die Vorwürfe stammten aus der osmanischen Zeit und hätten die Unterdrückung des Alevitentums zum Ziel gehabt."
Der Vorwurf des Inzests gegen die Aleviten bezieht sich also nicht auf sexuelle Verhältnisse zwischen Verwandten oder die sexuelle Misshandlung von Kindern, sondern auf das gemeinsam vollzogene religiöse Ritual.

2. Wie unbekannt der angeblich so weitverbreitete Inzestvorwurf gegenüber den Aleviten ist, zeigt die Reaktion der Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone: "Ich bin nicht auf dieses Vorurteil gestoßen und habe das dann für mich benutzt". Intensive Recherchen im alevitischen Milieu, die Zusammenarbeit mit türkischen Schauspielern - irgendwann hätte ihr doch mal jemand einen Tipp geben müssen, wie empfindlich gerade Aleviten auf den Inzestvorwurf reagieren.

3. Der Film richtet sich an ein deutsches Publikum, das von den in der Türkei grassierenden Vorurteilen keine Ahnung hat. Dargestellt wird ein fiktiver (!) Einzelfall. Ein Vater schwängert seine Tochter, die Tochter versucht zu entkommen und ist am Ende tot - nichts davon wird als normal oder repräsentativ für die alevitische Gemeinde dargestellt. Ein Verbrechen, ein Familiendrama - nichts, was den deutschen Tatortzuschauer zum Hass gegen die Aleviten aufstachelt. Der Vorwurf der "Volksverhetzung" ist lächerlich.

4. Seltsam nicht zuletzt die gemeinsamen Proteste von Sunniten und Aleviten. Wenn man fragt, wer den Aleviten das Stigma des Inzests aufgedrückt hat, dann heisst die Antwort nicht "die Deutschen" oder "die ARD" oder "der Tatort am 23.12.2007", sondern "sunnitische Türken". Mit denen sie jetzt gemeinsam protestieren. Über die Forderung nach einer offiziellen Entschuldigung der sunnitischen Türken für die reale Stigmatisierung und Verfolgung ist auch nichts bekannt...

Trotzdem wird den protestierenden Aleviten viel Verständnis entgegengebracht. Exemplarisch Lenz Jacobson in der Zeit:

Hier geht es nicht um leicht erregbare, orthodoxe Muslime. Die Gruppe, die hier demonstriert, vertritt die vielleicht liberalste Strömung des Islams. Aleviten sind die Lieblinge der Integrationspolitiker, sie sind aus europäischer Sicht sozusagen die Mustermuslime. Auf den Schildern der Kundgebung ist nichts zu lesen vom teuflischen Westen, kein drohendes oder feindseliges Wort ist zu hören. Stattdessen zitieren sie das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und fast jeder der etlichen Redner auf der gut organisierten Kundgebung beginnt seinen Beitrag mit geradezu euphorischen Bekenntnissen zu Meinungs- Kunst- und Pressefreiheit. Hier kämpft nicht eine aggressive Religionsgruppierung gegen die Mehrheitsgesellschaft, hier kämpft eine weitgehend integrierte Bevölkerungsgruppe gegen Vorurteile.
Man kann darüber streiten, ob Aleviten wirklich "Mustermuslime" sind - wie eine Moslem seine Religion lebt ist schließlich seine Sache. Dass positiv hervorgehoben wird, es seien keine "drohenden oder feindseligen Worte" gegen "den Westen" zu hören oder auf Plakaten zu lesen, ist bedenklich. Als wäre eine Grossdemonstration vor dem Kölner Dom -wohlgemerkt am Sonntagvormittag, während im Dom die Messe noch nicht beendet ist- nicht überzogen genug. Sollen wir wirklich dankbar sein, dass ein Tatort keine Hass- und Gewaltausbrüche nach sich zieht?

Die "weitgehend integrierte Bevölkerungsgruppe" kämpft nicht gegen Vorurteile (von deren Existenz die große Mehrheit der Deutschen vor einer Woche noch keine Ahnung hatte), sie schürt sie.

Samstag, 8. September 2007

Konversion

Man muss nicht unbedingt einen an der Waffel haben, um zum Islam überzutreten - meint Stefan Weidner in der SZ. Weidner -Islamwissenschaftler, Übersetzer und Schriftsteller- spricht aus eigener Erfahrung, wäre er doch als junger Mann auch fast selbst Muslim geworden. Das zeigt zwar nur, dass sich Weidner rückblickend für seelisch gesund hält, beweist in Bezug auf heutige Konvertiten jedoch nichts.

An Weidners seelischem Zustand kommen nebenbei auch gleich im ersten Abschnitt erhebliche Zweifel auf, so hält er es tatsächlich für möglich, dass "am Ende in jedem von uns ein Trieb steckt, der sich nur durch die Konversion zum Islam befriedigen lässt". Was für ein Trieb das denn sein könnte bleibt offen, dafür folgt jede Menge Propaganda für Allah.

Alles wenig überzeugend. Der Spruch: ""Wir schufen einst den Menschen und wissen, was ihm seine Seele einzuflüstern sucht: Näher sind wir ihm als seine Halsschlagader", der lt. Weidner wie Donner aus heiterem Himmel zur Umkehr mahnt, ist so originell nun wieder nicht - auch andere Religionen versetzen mit der angeblichen Allwissenheit Gottes ihre Schäfchen in Angst und Schrecken. Ein Grund Muslima zu werden? Nicht unbedingt.

Dem biblischen Gott hat Allah noch mehr voraus: "Wer den Koran liest, fühlt sich öfter selbst angeredet, als wäre auch er ein Prophet. Das ist betörend und unheimlich zugleich. Der Appellcharakter ist entsprechend größer und ebenso das Versprechen der Geborgenheit, wenn man nachgibt und sich bekennt." Jo, so wie bei IKEA . Das distanzlose, ständige Duzen ist auch betörend und unheimlich zugleich. Und nervt. Aber - der Appellcharakter ist entsprechend größer (als bei Höffi?) und ebenso das Versprechen der Geborgenheit, wenn man nachgibt und sich bekennt (also kauft). Und zu Hause bereut? Man muss schon sehr einfach gestrickt sein oder ein verdammt großes Bedürfnis nach religiöser Geborgenheit haben, um auf solche einfachen Tricks reinzufallen.

Weidner weiter: "Man könnte den Islam mit dem Heiratsantrag eines äußerst viel versprechenden, obschon recht autoritären Typen vergleichen. Die Versuchung zum Jawort ist bei solchen Anträgen naturgemäß groß, selbst wenn der Verstand schüchtern ein paar Einwände macht." Ein äußerst vielversprechender, autoritärer Typ? Meint Weidner tatsächlich den Islam? Und ist es ein Zeichen seelischer Gesundheit, einem solchen Typen das Jawort zu geben, entgegen jeder Vernunft?

Wie löst der Islam das Versprechen nach unendlicher religiöser Geborgenheit ein? Richtig, durch die Scharia. "Das Versprechen lockt immer und alle, und der Islam bemüht sich, es einzulösen, nicht zuletzt dank eines Aspekts, den wir Demokraten am heftigsten kritisieren (und komischerweise als Christen nicht missen): Dass Religion und Gesetz, Staat und Moschee ein Ding sind." Religion = Gesetz, Staat = Moschee. Der Traum eines jeden Fundamentalisten.

Und der Traum eines jeden Theokraten: "Die Demokratie verlangt von den Bürgern, Gesetze ständig zu überdenken, zu verändern, zu verbessern. Sie macht es schwer, sich mit dem Status quo zu identifizieren, und so droht sie uns zu überfordern. Mit dieser Überforderung macht die Konversion Schluss, selbst wenn der Verstand wieder einwendet, dass der Konvertit ja nicht im islamischen Mittelalter, sondern meist nach wie vor in einer westlichen Demokratie lebt." Die Konversion macht Schluss mit der demokratischen Überforderung des Einzelnen, der Islam macht dann Schluss mit der Demokratie. Ist ja auch viel einfacher, sich an die gute alte Scharia zu halten, als ständig die Gesetzte zu überdenken und zu verändern. Geradezu anheimelnd.

Wer sich das Denken abgewöhnt hat, kann dann auch die schönen Seiten des Islam entdecken. Die stärkste " ist die gottsucherische Seite des Islams, jene die sich mit dem überlieferten Religionsgesetz nicht zufrieden gibt, es oft nicht einmal wörtlich nimmt". Moment, besteht da nicht wieder die Gefahr der Überforderung? Die Religion ist doch das Gesetz, wie das Gesetz die Religion ist. Das ist nichts zu verbessern, dass muss der Gläubige wörtlich nehmen. Und da liegt auch das Problem, welches die "Ungläubigen" mit dem Islam haben.

Weidners Islambild - ungetrübt von jeder Realität:
"Jüdisches, Christliches, Buddhistisches, Altarabisches (wie die Wallfahrt nach Mekka), lokale Volksreligionen und sufisch-mystische Orden bilden ein kaum entwirrbares Gemisch, in das die neuen Islamdenker noch modernes westliches Gedankengut integriert haben. In einem solch universalem Islam kann jeder Gläubige nach seiner Façon glücklich werden, dabei Wein trinken wie die muslimischen Dichter und dennoch durch gelegentliches Blättern im Koran jederzeit an der göttlichen Allgegenwart teilhaben." So schön ist der Islam, eine all-in-one Religion, die jeden glücklich macht. Konvertiten sind daher nicht nur von jedem Verdacht der seelischen Instabilität freizusprechen, sondern zu ihrer klugen Entscheidung zu beglückwünschen.

Aber, warum ist Weidner nur "fast" Moslem geworden? Die Antwort: "Nun - ich kann einfach keine autoritären Typen ausstehen, selbst wenn sie Allah heißen." Weidner verzichtet auf die bunte Glückseligkeit, nur weil Allah im Koran ein bisschen autoritär daher kommt. Das ist echte Autonomie.

Donnerstag, 6. September 2007

Home Grown

Nachdem sich heraus gestellt hat, dass zwei der drei festgenommenen "Terrorverdächtigen" deutsche Konvertiten sind, warnt Schäuble vor "home grown terrorism". Mal ganz abgesehen davon, dass hier wieder mal ein völlig unnötiger Anglizismus eingeführt wird - der Begriff ist ganz einfach falsch. Die Täter mögen "home grown" sein, der Terrorismus ist es nicht.
Von "bestens in die deutsche Gesellschaft" integriert, kann bei radikalen Konvertiten, die ihren letzten Schliff in Pakistan erhalten, keine Rede sein. Schon die Konversion ist ein Ausdruck von Ablehnung der Herkunftskultur, wie Rolf Tophofen in der SZ (!) festgestellt.

Auf die Frage, was die Konvertiten so anfällig für den Islamismus macht, antwortet Tophofen:

"Zum einen dürfte natürlich ein ehrliches und starkes Bedürfnis nach religiösem Halt dahinter stecken. Zum anderen aber müssen sie einen großen Hass auf die gesellschaftlichen Verhältnisse verspüren, um diesen Schritt zu gehen. Die Konversion hilft ihnen, diesem Hass Ausdruck zu verleihen. Sie müssen ja die Motivation haben, im Namen des Islam den Westen anzugreifen. Der Islamismus kann ihnen da ein Ventil sein. Über ihn haben sie auch Zugang zu den Ausbildungslagern der al-Qaida. Aber um da ein Rolle spielen zu können, muss man zum Islam übertreten." Home grown terrorists ja, aber kein home grown terrorism.

Die "Welt" hat dagegen einen Interviewpartner gefunden, der Konvertiten für nicht weiter gefährlich hält, den Direktor des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland, Muhammad Salim Abdullah. Aus dessen berufenem Munde kommt die Aussage: "Nicht jeder Konvertit ist ein Terrorist". Beruhigend, bei rund 18.000 Konvertiten. Abdullah schätzt "dass höchstens 1 Prozent der Konvertiten Berührungspunkte mit dem militanten Islam haben".

Es dürften wesentlich mehr als die vom Islam-Archiv geschätzten 18.000 Konvertiten in Deutschland leben. Die Berliner Extremismusexpertin Claudia Dantschke tippt in der Welt auf "100.000, weil ich einfach einen ständigen Zustrom einzelner Konvertiten zu den Gemeinden sehe, und inzwischen sogar ganze Szenen, die nur noch aus Konvertiten bestehen". Und die nichtin jedem Fall friedlich sind. Dantschke unterscheidet zwischen den aus religiösen Motiven konvertierten Deutschen (Probleme mit der Dreifaltigkeit, Schuldgefühle, Erbsünde, Jesus), welche sich eher dem esoterischen Islam zuwenden (also friedlich sind und bleiben) und den politisch motivierten Konvertiten. Dazu zählt sie "Rechte und enttäuschte Linke, die den Islam politisch aufladen mit Imperialismuskritik, Antiamerikanismus, Antisemitismus, Ekel vor Konsum und westlicher Dekadenz. " Als ob der Islam noch zusätzlich aufgeladen werden müsste; Antiamerikanismus, Antisemitismus und der Ekel vor westlicher Dekadenz sind auch bei angeblich gemäßigten, unpolitischen Moslems mühelos zu finden, nicht nur in der westlichen Welt. Dafür brauchen sie keine Konvertiten. Eher können Rechte und "enttäuschte" Linke ihren Antiamerikanismus, Antisemitismus und Ekel vor westlicher Dekadenz, garniert mit Imperialismuskritik, unter dem schützenden Mantel der Religionsfreiheit so richtig ausleben.


Und denken muss man auch nicht mehr: "In einer Lebenskrise bietet der Islam einfache Lösungen an. Er regelt den Tagesablauf, ist totalitär, hat klare Feindbilder." Wie schön.

Ein geregelter Tagesablauf wird also geboten, in den so etwas Nebensächliches wie Geld verdienen nicht integriert werden kann. Die beiden arbeitslosen Terrorverdächtigen "hatten auch keine Zeit zu arbeiten", erklärte BKA-Präsident Jörg Ziercke ernst, "weil sie mit der Vorbereitung des Anschlags vollauf beschäftigt waren." Es treibt also weniger die desolate Lebenssituation zum Terrorismus, sondern die Arbeitslosigkeit ermöglicht durch die verfügbare Freizeit den Bombenbau. Mit einem 9 to 5 Job plus Überstunden, also als Wochenendterrorist, steigt man in der Szene sicher nicht auf. Bleibt die Frage, woher kommt das Geld für den Flug nach Pakistan, die Chemikalien usw. Aus einem der sympathischen Länder, in die unsere Entwicklungshilfeministerin Millionen Euro Steuergelder kübelt?



"Konvertiten", so der Islam-Kundler Martin Ruckhäuser, "machen alles 150-prozentig. Wer konvertiert, will keinen Islam light. Der will die volle Dosis." Kann die volle Dosis einer friedlichen Religion gefährlich sein?